Die Initiative AI4GOV

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Artificial Intelligence

Einleitung

Das strategische Konzept zur künstlichen Intelligenz (KI, auch engl. AI) in Luxemburg, das 2019 vom Premierminister und Minister für Digitalisierung Xavier Bettel vorgestellt wurde, soll "Luxemburg zu einer der fortschrittlichsten digitalen Gesellschaften in Europa und der Welt machen, eine nachhaltige datenbasierte Wirtschaft schaffen und eine bürgerorientierte künstliche Intelligenz aufbauen".

Das Europäische Parlament definiert KI als "Kapazität einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Planen und Kreativität zu imitieren. Außerdem ermöglicht KI technischen Systemen, ihre Umwelt wahrzunehmen, mit dem Wahrgenommenen umzugehen, Probleme zu lösen und Aktionen vorzunehmen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Der Computer empfängt Daten, analysiert sie und reagiert. KI-Systeme sind dann in der Lage, ihr Handeln (mehr oder weniger) anzupassen, indem sie die Folgen früherer Aktionen analysieren und autonom arbeiten."

KI kombiniert also Technologien, die Daten, Algorithmen und folglich Rechenleistung miteinander verknüpfen. Wie die Europäische Kommission unterstreicht, sind die Fortschritte in der Informatik und die zunehmende Verfügbarkeit der Daten daher der Schlüsselfaktor für den Aufstieg der KI. Luxemburg verfügt über technologische und industrielle Stärken und eine hochwertige digitale Infrastruktur, mit deren Hilfe die Vorteile der KI für die gesamte Gesellschaft erschlossen werden können.

Ziele des AI4GOV-Ausschusses

Innerhalb des Staates hat das strategische Konzept zur KI in Luxemburg zur Gründung des ressortübergreifenden AI4GOV-Ausschusses geführt, der sich aus Vertretern des Ministeriums für Digitalisierung, der Abteilung für Medien und Kommunikation (SMC) und des Informations- und Presseamts (SIP) zusammensetzt. Der AI4GOV-Ausschuss hat sich zum Ziel gesetzt, Ministerien und Verwaltungen zu ermutigen, künstliche Intelligenz (KI) und Data Science zu nutzen, um ihr Handeln und ihre Arbeit umzugestalten. Mit anderen Worten: Die Verwaltungen sollen angeregt werden, diese innovativen Technologien zu nutzen, um neue Methoden und Analysen für bestehende Probleme zu entwickeln, die Effizienz der Datenverarbeitung zu erhöhen und damit ihre Dienstleistungen und Verfahren zu verbessern.

Darüber hinaus ermöglicht die Initiative AI4GOV den Staatsbeamten, sich die praktische Erfahrung anzueignen, die für den Lernprozess von KI-Spitzentechnologien unerlässlich ist. Das erklärte Ziel ist, Sachverstand innerhalb des Staates zu etablieren und die öffentliche Verwaltung als Innovationsmotor zu positionieren.

Projektaufrufe AI4GOV

Um den Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung zu fördern, richtete der AI4GOV-Ausschuss im November 2019 einen ersten Projektaufruf an die öffentlichen Akteure für Versuchsprojekte zu KI und Data Science.

Bis Anfang 2020 wurden insgesamt 14 Projekte von verschiedenen staatlichen Stellen vorgeschlagen, was das waschsende Interesse an diesen Technologien beweist.  Eine Jury, die sich aus Experten der Regierung und der Privatwirtschaft zusammensetzt, analysierte diese Vorschläge im Hinblick auf ihre Reife, ihr Innovationspotenzial und den Einsatz von KI.

Am Ende dieses Verfahrens wurden sechs Projekte von der Jury ausgewählt, die im Jahr 2020 durch einen Aufruf zur Unterstützung seitens externer Dienstleister technische, Unterstützung erhielten. Ihre Aufgabe war es einen funktionalen und funktionsfähigen Prototyp zu entwickeln, der von den Vertretern der Verwaltung oder der Allgemeinheit genutzt werden kann. Eine ressortübergreifende juristische Arbeitsgruppe prüfte darüber hinaus den soziotechnischen und ethischen Rahmen jedes Projekts. Vier der sechs ausgewählten Projekte wurden 2020 bereits implementiert.

Im Dezember 2020 startete der AI4GOV-Ausschuss einen neuen Projektaufruf, aus dem zwölf Projektvorschläge hervorgingen und bei dem sich der Analyse- und Auswahlprozess des ersten Projektaufrufs wiederholte. 

Im Jahr 2020 implementierte Projekte

Indexierung von Regierungsfotos

Das Informations- und Presseamt verfügt über eine umfassende Mediathek mit politischen Fotos des luxemburgischen Staates. Die Indexierung dieser Fotos erfolgte bisher in langwieriger Handarbeit. Ziel des KI-Projekts war, die auf den Fotos dargestellten politischen Persönlichkeiten mithilfe von Gesichtserkennung zu identifizieren und bessere Metadaten für die Mediathek zu erzeugen. Die Implementierung dieser Gesichtserkennung hat die Bereitstellung von Metadaten der Fotos zur besseren Nutzung der Mediathekinhalte für den gesamten Staat erleichtert und beschleunigt.

Extraktion topografischer Objekte

Dieses Projekt betraf die KI-gestützte Extraktion topografischer Objekte aus Luftaufnahmen, um so neue Gebäude und Straßen zu erkennen und Bauflächen zu identifizieren. Mit dieser Extraktion konnte die Arbeitsbelastung der Staatsbeamten verringert und die Aktualisierung der Datenbanken des Kataster- und Vermessungsamts verbessert und beschleunigt werden. Außerdem sollten im Rahmen des Projekts neue Daten und Leistungen geschaffen und die Objekterkennung ermöglicht werden.

Transkription von Texten

Mit diesem Projekt wollte die Nationalbibliothek Luxemburg (BnL) die Transkription der Texte durch Optical Character Recognition (OCR), die sogenannte optische Zeichenerkennung, verbessern. Diese Verbesserung stellte die notwendige Grundlage für die automatische Identifikation von "named entities" (Personen, Orte, Organisationen und Daten) dar. "Named entities" oder benannte Entitäten, die mithilfe von künstlicher Intelligenz erkannt werden, bilden die Grundlage einer neuen interaktiven Anwendung, die die dynamische Auswertung der Texte ermöglicht und so den Zugang zum digitalisierten Zeitungsarchiv verbessert.

Automatische Erkennung alter Manuskripte

Das Projekt CLAVIS des Luxemburger Nationalarchivs (ANLux) betrifft die Übermittlung digitalisierter Bilder von Manuskripten aus dem 17. und 18. Jahrhundert an Transkribus, eine Plattform für KI-gestützte Schrifterkennung, Transkription und Suche in historischen Dokumenten. Die automatische Transkription trägt dazu bei, diese bis heute schwer nutzbaren Quellen für neue Forschergenerationen wieder lesbar und verständlich zu machen. Darüber hinaus verspricht sich das ANLux von diesem Projekt neue Möglichkeiten für die automatisierte Erstellung von Inventaren oder Verzeichnissen von Personen und Orten.

Weitere AI4GOV-Initiativen

AI Legal & Ethics Working Group

Der AI4GOV-Ausschuss bietet neben der technischen Unterstützung von Projekten auch rechtliche und ethische Begleitung durch eine ressortübergreifende "AI Legal & Ethics Working Group“, die Anfang 2020 eingerichtet wurde. Diese Gruppe setzt sich aus dem Ministerium für Digitalisierung, die Abteilung für Medien und Kommunikation, dem Informations- und Presseamt der Regierung und der Regierungsbehörde für Datenschutz beim Staat zusammen. Über die Begleitung der AI4GOV-Projekte und den Dialog mit den Projektträgern nimmt diese Arbeitsgruppe eine erste Einschätzung der mit den Projekten einhergehenden juristischen und ethischen Risiken vor und definiert so die ersten Eckpunkte für einen risikobasierte Governance-Ansatz in Sachen KI im öffentlichen Sektor.

Sensibilisierung der Staatsbeamten für KI-relevante Themen

Der AI4GOV-Ausschuss fördert und entwickelt eine Gemeinschaft staatlicher Akteure, die an den Themen KI und Data Science interessiert sind. Er versendet einen Newsletter mit Neuigkeiten zu AI4GOV und interessanten Aktivitäten und Nachrichten rund um KI.

Außerdem werden Webinare für Vertreter von Ministerien, Verwaltungen und öffentlich-rechtlichen Anstalten angeboten, um die Aktivitäten der Initiative AI4GOV vorzustellen. Er präsentiert vor allem den Fortschritt der verschiedenen Projekte, die zur Umsetzung ausgewählt wurden und lädt externe Referenten ein, die Experten auf dem Gebiet der KI sind, um das Wissen und die Überlegungen rund um KI zu vertiefen.

GovCloud GPU Service

Im Jahr 2020 führte der AI4GOV-Ausschuss eine detaillierte Analyse der gemeinsamen technischen Bedürfnisse der Behörden im Rahmen von KI-Projekten durch. Mit dieser Analyse konnte der Bedarf an IT-Ressourcen identifiziert und gebündelt werden. Da die vorhandenen Ressourcen als wenig geeignet für die Bedürfnisse angesehen wurden, wurde daraufhin im staatlichen Rechenzentrum des Zentrums für Informationstechnologien des Staates (CTIE) eine gemeinsame Infrastruktur aus speziellen Maschinen mit Grafikprozessoren (GPU) implementiert, die für diese spezifischen Rechenleistungen geeignet und für jede staatliche Stelle zugänglich sind, die sie benötigt.

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